Simple pleasures

Ein Atelier zu haben ist prima, manchmal ist man da aber etwas einsam. Deshalb war ich im Juli fünf Tage in Trier an der EKA zum Siebdrucken. Im Gepäck hatte ich etwas, das mir in der Nase steckte, seit ich im letzten Herbst das Wiesbadener Atelier von Reinhard Spiegel besuchte. Er pflegt die schöne und mir bis dahin vollkommen unbekannte Kunst der Heliogravüre, für die fotografische Vorlagen in Metallplatten geätzt werden. Der Anfang ist wie beim Siebdruck, das Ende wie bei der Radierung. Die Drucke sind „schwarzweiß“ und sehr fein nuanciert. So etwas einfach nur Schönes wollte ich auch machen! Motto: Simple pleasures, gemäß einem uralten und heiß geliebten Album von Bobby McFerrin (1988). Ganz so einfach war es nicht … aber auf jeden Fall vergnüglich.

Grundlage der kleinen Serie „Simple pleasures“ sind Naturfotografien, die ich mit einem 50mm-Objektiv gemacht habe. Es ist immer wieder interessant, welche Vorlagen sich gut zum Drucken eignen. Das kann ich mir vorher noch so gut überlegen und vorstellen – die Ausführung belehrt mich dann eines Besseren. Den Effekt der Heliogravüre zu erzielen, dass man an ein ungewöhnlich kontrastreiches und plastisches, aber altes Foto denkt, war mein Ziel.

Auwald

Auwald

Alle Fotos sind mit zwei Sieben gedruckt, in zwei Farben, einem kühlen Grau und einem dunklen Graugrün. Die Vorlagen sind am Kopierer unterschiedlich hell abgezogen, das habe ich mir von einem liebenswerten Siebdruck-Kollegen abgeschaut. Man braucht immer etwas Glück, damit die beiden Vorlagen unterschiedlich genug sind und die Belichtung die wichtigen Bildelemente zum Vorschein bringt. Hier im „Auwald“ hat das am besten funktioniert. Und nachdem ich wusste, dass es geht, konnte ich unbefangen drauflos arbeiten.

Dünengras

Dünengras

Wolken

Wolken

Treppe

Treppe

Bei der Treppe schlägt auch das 50mm-Objektiv zu Buche, das den Rand in abstrakte Flecken auflöst und den Blick die Treppe hinauf führt.

Gärten Asiens

Ein Motiv, das ich als Foto sehr mag, zerfiel durch die Belichtung. Spielzeit! Ich habe das Produkt, eine kleine Serie von vier Arbeiten, augenzwinkernd „Gärten Asiens“ getauft. In Anlehnung an eine Bio-Gewürzreihe, die mit lyrischen Namen und mehrfarbigen Banderolen arbeitet, habe ich die unterschiedlich „gewürzten“ Wälder mit den Ländern verbunden, die nach meinen klischeehaften Vorstellungen zu diesen Farben passen. Hat einfach Spaß gemacht, simple pleasures. Und die Variation liegt natürlich nicht nur in der Farbe … aber wie in der guten Küche soll man nicht ergründen, wie’s gemacht ist, sondern einfach genießen.

China

China

Japan

Japan

Korea

Korea

Nepal

Nepal

Ein Gedanke zu „Simple pleasures

  1. Liebe Ellen,
    schön, an einem verregneten Sonntagnachmittag statt die Vergnügungen eines eigentlich geplanten Ausflugs zu genießen, die simple pleasures zu entdecken! Besonders gut gefallen mir der Auwald und Japan.
    Liebe Grüße
    Ulla

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