Schon vorbei!

Warum gehen eigentlich die schönen Tage immer am schnellsten vorbei?

So ein verregneter Sonntag hat auch etwas für sich: Alle kommen gern ins Warme und haben Zeit, mit Birgit, Fabienne und mir über Kunst zu reden. Und das gab es zu sehen:

Verwandlung: Originaltext und Paraphrase, Hörbuch, Papierobjekt

Verwandlung: Originaltext und Paraphrase, Hörbuch, Papierobjekt

Für Gregor Samsa ist die Verwandlung das Todesurteil; für die Merian war sie ein Faszinosum. In jedem Fall ist sie ein Einschnitt, hinterher ist nichts mehr so, wie es vorher war. Dass Gregor Samsa dies mit merkwürdigem Einverständnis zur Kenntnis nimmt, macht die Erzählung von Kafka so beklemmend. Birgit hat eine Paraphrase in Gedichtform verfasst, die im Ton von Wilhelm Busch Tragik und Komik vereint.  Im Kontext der Metamorphose hat Birgit auch eine liebenswürdige Phantasiereise geschrieben und eingesprochen, die unsere Besucher im Sessel sitzend hören konnten.

Meine Papierobjekte hatten diesmal die Merian zum Thema, jeweils auf Umwegen. „Vergänglich“ ist ein Poster von einem Stilleben aus dem 17. Jhdt, welches ich collagierend ergänzt habe. Endlich kam auf den Schmetterlingen aus Transparentpapier mal wieder mein Muster zum Einsatz, das ich 2010 entwickelt hatte, völlig geflasht von „Pachanga“. Außerdem gab es Käfer aus Marzipanpapier, ein Sonett von Shakespeare und andere Kleinigkeiten.

vergänglich

Ein Geschenk aus England verwob ich mit einem Aquarell der Merian, so dass sie zum „First friend of the earth“ mutierte. Ihr Forscherdrang und die Disziplin, mit der sie arbeitete, beeindrucken mich zutiefst. Das Flechten der Papierstreifen geht langsam vonstatten, auf das Sichtbare reagierend, wie ihre schrittweise Erkenntnis.

First friend of the earth: Insekt udn Wirtspflanze sind schön und lehrreich zugleich

First friend of the earth: Insekt und Wirtspflanze sind schön und lehrreich zugleich

Und dann die Lederobjekte von Fabienne! Interessant, dass wir beide auf eine so langsame, eher unspektakuläre Art der Materialbehandlung gestoßen sind. Drei ihrer Kreaturen bevölkerten die Wände:

wandelndes Blatt

wandelndes Blatt, ca. 70 H x 60  B x 30 T cm

Silberfisch

Silberfisch, ca. 90 H x 50 B x 30 T cm

Assel, ca. 90 H x 30 B x 20 T cm

Assel, ca. 90 H x 30 B x 20 T cm

Die Transformation eines harten, glänzenden Panzers in weiches, stumpfes Leder hebt den Bauplan der Lebewesen hervor und macht sie trotz ihrer Größe sympathisch.

Auch eine Holz-Skulptur hatte Fabienne mitgebracht, aus Walnuss-Holz natürlich:

os en tranche de choux, ca. 40 H x 40 B x 20 T cm

os en tranche de choux, ca. 40 H x 40 B x 20 T cm

Und ein nachdenklicher kleiner Putto begrüßte die Gäste von einem Gemälde von Patricia Hell aus:

nachdenklicher Putto, Papierobjekt ca. 20 x 20 x 20 cm

nachdenklicher Putto, Papierobjekt ca. 20 x 20 x 20 cm

Im Walnussbaum hatte Fabienne zwei Tage lang zu tun, zum Glück bei besserem Wetter als am Sonntag. Wir haben die Nusschalen, die den Baum raufwuseln „nants“ getauft. Die landart hat den Baum ermutigt, nun eine zweite Runde Blätter zu treiben.

landart 1

landart 1

landart 2

landart 2

nants

nants

Die Überlegungen und Gespräche im Vorfeld waren fast – aber nur fast – das Schönste an diesem Projekt. Die nants werden noch eine Weile den Baum erklimmen und irgendwann herabfallen. Und dann wird es Zeit für das nächste Offene Atelier.

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