In a country far far away

Katja Rosenberg hat für dieses Jahr wieder ein tolles Projekt in Arbeit, und ich bin wieder mit dabei. Ab sofort wird das Projekt auf eldojo.de dokumentiert.  Das Thema sind „Mythen und Legenden aus Ländern in Krieg und Krise“. Die Betonung liegt auf dem, was die Menschen in diesen Ländern ausmacht und verbindet und was daher bewahrt und lebendig gehalten werden sollte.

Ich habe mir eine (nicht ausschließlich) kurdische Legende ausgesucht, „Kawa, der Schmied“, und mich in eine komplexe Arbeit gestürzt, wie ich sie vorher noch nicht durchgeführt habe: Einen Trickfilm in traditioneller Stopptrick-Technik.

Kawa, der Schmied

1 + 1 + 1 = ∞

Das könnte ich natürlich nicht ohne die Zusammenarbeit mit Profis: die Kulturpädagogin und erfahrene Trickfilmerin Dorle Voigt und meinen langjährigen Freund, den Musiker und Komponisten Jorge Porras-Alvarado. Er hat schon 2010 die Ausstellung „Ich bin die Reise“ mit mir eröffnet. Dazu kommen viele liebenswürdige Helfer: Meine Kollegin aus der Schreibgruppe, Michaela Palzer, hat mit ihrer wunderschönen warmen Stimme den deutschen und den englischen Text eingespochen. Sarah Franke hat meinen deutschen Text mit großem Feingefühl ins Englische übertragen, der ist jetzt fast schöner als mein Vorbild. Sie und viele andere werden natürlich die credits im Abspann unseres opus magnum bekommen. Ziellinie ist der 01. März, wir arbeiten immer noch auf Hochtouren. Und das Beste ist: Ich werde vom 28.02. – 04.03. in London sein und die Ausstellungseröffnung im Mile End Art Pavillon erleben, mit den ganzen tollen Programmpunkten, die Katja organisiert hat.

Der Film

Der Film in der traditionellen Stopptrick-Technik bezieht sich auf Märchenfilme der deutschen Scherenschnitt Künstlerin Lotte Reininger (1899 – 1981) sowie auf die abstrakten Märchen-Leporellos der Schweizer Designerin Warja Honegger-Lavater (1913 – 2007). Die Legende von Kawa wird auf künstlerische Art verarbeitet, so dass die politische Ebene neben weitere Assoziationsfelder treten kann. Als Autorin von Text und Drehbuch und künstlerische Gestalterin arbeite ich mit der Kamerafrau, Cutterin und Bildregisseurin Dorle Voigt und dem Komponisten und Tonregisseur Jorge Porras-Alvarado zusammen. Michaela Palzer spricht die Erzählstimme.

Der Film wird auf dem Filmfestival zur Ausstellung in London am 10. März gezeigt, dann wieder im Rahmen der zweiten Ausstellung in Bad Oeynhausen ab 29.04.18. Und dann hoffentlich, nein, bestimmt noch auf anderen Festivals, ich habe schon eine Liste für Bewerbungen angelegt. Mein nächster Blogeintrag wird den Trailer enthalten!

Und sonst noch

Im Mile End Art Pavillon gibt es große Fensterscheiben. An diese werde ich bedruckte Acrylglasscheiben mit „Filmstills“ im weitesten Sinne kleben. Damit empfinde ich die Anmutung der Filmhintergründe nach, welche für die Aufnahmen auf einem Leuchttisch lagen. Ich hoffe, die Aufmerksamkeit für den Film und das Filmfestival am 10. März damit wecken zu können.

Katjas Ausstellungen sind immer mit einem abwechslungsreichen Workshop-Programm verbunden, diesmal mische ich mit:

a time lapse flip book

Mal sehen, wie viele Halbwüchsige mit mir Farbe und Schablonen nutzen wollen. Keine Angst vorm weißen Blatt, auch nicht, wenn es 40 Stück sind!

Das Thema

Seit Oktober bin ich mit dem Projekt beschäftigt. Zunächst wollte ich die Ararat-Legende von Yasar Kemal verfilmen, versuchte an die Rechte dafür zu kommen und durfte dank Christian Korte lernen, dass ich von dieser schwierigen Aufgabe besser die Finger lasse. Wie gut! Bald war klar, dass ich am besten selbst eine Textgrundlage verfasse, die keinem vorhandenen Werk gleicht. „Kawa, der Schmied“ ist auf vielen Websites zu finden. Ein mögliches und das offizielle Bild des kurdischen Selbstverständnisses ist die Seite der Kurdischen Gemeinde Deutschlands.

Wer die Kurden sind und was ihnen geschieht, kam mir 2009 bei den Recherchen für „Ich bin die Reise“ zum ersten Mal zu Bewusstsein. Mittlerweile weiß ich, dass die Kurden in ihren verschiedenen Siedlungsgebieten viele unterschiedliche religiöse Ansichten und Lebensweisen haben. Geschätzt eine Million der türkischstämmigen Migranten in Deutschland sind Kurden. Bei meiner Arbeit an „Kawa“ hat mich vor allem eine alevitische Kollegin beraten, also jemand, der nah dran, aber nicht mittendrin ist; dafür bin ich unendlich dankbar, denn ich musste aus vielen möglichen Lesarten und Zusammenhängen eine Variante heraussuchen und mir zueigen machen.

Der Film kann und wird nicht allen gefallen, weder in der Gestaltung, noch in der Aussage. Natürlich wollen Dorle, Jorge und ich gerne als Künstler und als schöpferisches Kollektiv wahrgenommen werden. Der größte Erfolg wäre aber in meinen Augen, wenn der Film dazu beitragen könnte, die Kurden und ihre Situation aufmerksam, mitfühlend und respektvoll wahrzunehmen.

 

 

Ein Gedanke zu „In a country far far away

  1. Liebe Ellen,

    was für eine wunderbare spannende Aufgabe Du Dir wieder gestellt hast!!! Ich erfahre erst jetzt davon, weil die Facebook-Timeline so anders geworden ist, dass mich heute der Hinweis auf unsere zweijährige Freundschaft dazu bewog sofort nachzusehen und nachzulesen, was Du in der letzten Zeit gepostet hast. Toll!

    Liebe Grüße, Evy

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